Endlich – der langersehnte Frühling! Vor ein paar Tagen noch lag der Schnee auf den Wiesen, jetzt erstrahlen die Felder in einem saftigen Grün. Ein wunderbares Gefühl, wenn nach all den düsteren und kalten Wintertagen wieder die warme Sonne scheint. Die ersten Frühlingsblumen wie Schlüsselblumen, Veilchen und Sumpfdotterblumen blühen bereits.
Ich versorge mich mit genügend Wasser für meine Frühlingstour und starte mit meinem Tourenrad den ersten Ausflug. Mein Ziel sind die umliegenden Seen im Nordosten von Nesselwang.
Es geht zuerst in die Hertinger Strasse Richtung Schicken. Schon bei den ersten Steigungen komme ich leicht ins Schnaufen, ein Zeichen von zu wenig Training. Den kleinen Ort Schicken lasse ich rechts liegen und erreiche nach kurzer Zeit den Startpunkt des GE(h)ZEITEN-Weges. Dieser Weg ist ein ideales Angebot für uns Menschen, Zeit und Werte wieder neu zu erfahren und über sich Selbst und das Leben nachzudenken. In den sechs Stationen ist die Gelegenheit:
• zur Ruhe zu kommen
• sich auf Wesentliches zu besinnen
• grundlegende Werte wieder neu zu entdecken
• sich der geschenkten Zeit bewusst zu werden
• gestärkt den Alltag anzupacken.
Auch ich mache mich auf den Weg. Er führt mich durch einen Hohlweg und über herrliche grüne Wiesen, die es so nur im Allgäu gibt. Nach einer leichten Abfahrt erreiche ich den Attlesee. Er liegt inmitten eines Hochmoors, dessen Gras und Schilf noch nicht seine grüne Farbe hat. Diese Art von Seen gibt es in unserer Gegend sehr viele. Sie sind ein Überbleibsel der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren. Das Gletschereis hat diese Seen durch seine Schürfbewegungen entstehen lassen.
Der Attlesee ist im Sommer bei den Einheimischen und Gästen ein sehr beliebter Badesee. Das Moorwasser ist angenehm weich, absolut sauber und erwärmt sich aufgrund der relativ geringen Wassertiefe sehr schnell. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass schon im April die ersten mutigen Badegäste auftauchen. Heute waren es nur ein paar Sonnenanbeter, um sich den ersten Sonnenbrand zu holen. Ich hatte auch das Glück, ein Entenpaar bei der Brut zu beobachten. Sogar eine Bisamratte schwamm neugierig im Wasser. Nach einer kleinen Rast am Ufer fahre ich weiter, durch den gleichnamigen Ort Attlesee, Richtung Osten. Hier erreiche ich nach einer kurzen Strecke über einen Schotterweg den Ort Dederles. Von da ist es nicht mehr weit zum Neuweiher. Dieser liegt sehr versteckt, selbst die Einheimischen verirren sich selten in diese ruhige Gegend.
All diese Arten von Weihern hatten in früheren Zeiten die Aufgabe, die Menschen mit Fisch, d.h. mit Eiweiß zu versorgen, da Fleisch sehr kostbar und nahezu unerschwinglich war. Jetzt nutzen hauptsächlich Angler der Fischereivereine die Gewässer als Freizeitsport. Selbstverständlich üben diese Weiher auch eine wichtige ökologische und wasserwirtschaftliche Funktion aus.Viele davon werden im Winter entleert, um die Wasserpflanzen zu reduzieren und den Fischbestand zu verjüngen.
Nach kurzer Fahrstrecke über holprige Feldwege erreiche ich den Ort Goldhasen am Schwaltenweiher. Der Name bedeutet „ große Fruchtbarkeit des Bodens“, was aufgrund der geschützten Lage auch sichtbar ist.
Mein Ziel ist nun nicht mehr weit. Es ist eine kleine Kapelle, sie liegt auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Ortes Goldhasen und nennt sich „Schlosshofkapelle“. Der Aufstieg kostet mich einiges an Mühe, aber er lohnt sich.
Oben angelangt, muß ich zuerst einmal verschnaufen, um dann den gewaltigen Rundblick über die gesamte Allgäuer- und Tannheimer Bergkette zu genießen.
Auf dem jetzigen Platz stand im Mittelalter das Schloß „Falkensberg“ Es wurde vermutlich während des 30 jährigen Krieges zerstört. Die Steine verwendeten die Seeger dann zum Bau ihrer Kirche St. Ulrich. Ein Schlüssel, von dem vermutet wird, er gehöre zu diesem Schloss, befindet sich noch im Besitz der Familie Paulsteiner. Die jetzige Kapelle hat wie so viele andere eine besondere Geschichte. Der Bauer im nebenliegenden Bauernhof war im 1. Weltkrieg. Er legte ein Gelübde ab, wenn er aus diesem Krieg unversehrt heimkehrt, dann will er eine Kapelle auf diesem Platz bauen. Er schaffte es und so wurde von ihm im Jahre 1920 diese schöne Kirche gebaut.
Nach einer kurzen besinnlichen Einkehr in dem schön gestalteten Innenraum und einer Ruhepause genieße ich die kurvenreiche Abfahrt zum Schwaltenweiher.
Noch ein kurzer Stopp, ein Innehalten und mit einem dankbaren Gefühl trete ich wieder in die Pedale und habe nach ca. 10 Kilometern meinen Heimatort Nesselwang erreicht.











































